das ist ja süß…

zum Wochenende empfehle ich dem geneigten Leser die Lektüre des hochinteressanten Artikel von Out-Takes.de http://www.out-takes.de/index.php/2013/gemeinsam-stark/

Der Titel spricht Bände. Gemeinsam stark? Als gäbe es in dieser Branche noch Gemeinsamkeiten. Vielleicht gibt es noch gemeinsame Interessen am Set, solange gedreht wird – und dann noch auf die Premiere gewartet wird, diese gemeinsame Jubelarie, sich in die Arme fallen „wir haben es geschafft, bunte Bilder auf der Leinwand, wie sind wir doch toll“. Und kaum haben die Kollegen die Premierenfeier verlassen geht das Hauen und Stechen wieder von vorne los. Produktionsleiter, die sparen wollen und Gagen nochmal nach unten kürzen. Herstellungsleiter, die sich entweder über den Tisch ziehen lassen, oder irgendwo mit wem auch immer gemeinsame Sache machen. Jeder schaut auf sich und seine Lebenssituation, die natürlich nicht grandios ist aufgrund der Gagen die zur Zeit bezahlt werden.
„Wie – 20% weniger Gage als beim letzten Mal?“
„Naja, bevor ich zuhause rumsitze, mach ich lieber den Job und kann meine Miete pünktlich bezahlen“
oder auch sehr beliebt: „Sorry, aber die Dreharbeiten haben fast das ganze Budget verbraucht und für die Postproduktion und den Ton haben wir leider nicht mehr viel zur Verfügung.“
Auch sehr beliebt: „Ihr habt das Zeugs doch eh rumstehen, also kannst Du uns doch im Preis nochmal entgegenkommen“

Ich glaube es gibt keine andere Branche, wo auf annähernd ähnlicher Basis Jobs und Aufträge vergeben werden. Als würde ein Postproduktionshaus so kalkulieren können, oder ein Rental. Die kaufen ihr Zeugs, und davon ne ganze Menge, um an dem Tag, an dem das Material rausgehen soll, das Material auch im Lager zu haben – nicht um sich anzuhören, das liegt doch eh rum, also kann man es auch billig rausgeben.

Versucht das mal bei einer Mietwagen Firma, oder im Supermarkt um die Ecke : Hallo Kassiererin, sie haben noch so viel von der Milch rumstehen, da können sie doch auch billiger hergeben.

Und keiner kriegt den Hals voll – die Kameraleute schreiben Equipmentlisten, als gäbe es kein Morgen mehr. Regisseure lassen sich die dollsten Dinge einfallen, um ihren Film noch ein wenig besser aussehen zu lassen, und keiner regt sich auf.
Da wird umgeschnitten auf die Version 358, und am Ende sagt der PL, nee, mehr Geld für die Post haben wir wirklich nicht.

Ein weiteres Problem ist die vorhandene Unfähigkeit Kalkulationen einzuhalten. Wieviele Filmschaffende, Dienstleister, Subunternehmen haben Geld in Insolvenzen verloren, weil irgendwer nicht rechnen kann, oder fatalerweise mit der Rate des neuen Films die Schulden aus der vorherigen produktion bezahlt?

Da überzieht der von mir sehr geschätzte Dominik Graf mal eben ein Projekt der Bavaria Film um sagenhafte 1,8 Millionen Euro – ok, es trifft keine Armen, aber bitte wo sind wir denn? so kann man doch nicht wirtschaften.

Und schaut man sich dann in der nächsten Förderrunde die Mitteilungen der Förderungen an, stehen sie alle wieder drin. Die die ihre Dienstleister und möglicherweise auch Angestellten nicht bezahlt haben. Es zählt alleine die Kunst?

Man lässt sich viel gefallen, in dieser Branche, Abhängigkeiten spielen eine große Rolle. Welcher Dienstleister oder Filmschaffende möchte es sich mit einer Produktion verscherzen, die ebenmal eine Produktion an die Wand fährt, oder eben völlig verkalkuliert? Beim nächsten mal wird man zwar vom anderen ausgestochen, aber es kommen ja noch mehr Projekte.

Nach wie vor für mich das größte Rätsel: Die Bavaria Film mit ihrer Cine Media. Abgeschrieben, an den Abgrund geführt, und der gute Herr Kloiber sagt kein Mux dazu. Seine 65% Beteiligung hat keinen Wert mehr, den Schaden mag ich gar nicht beziffern – und warum? Er ist halt auch Lieferant für die Öffentlich Rechtlichen Häuser, also besser mal kein Stress mit denen.

Irgendwie fatal das alles – und eine Lösung ist nicht in Sicht.

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Ein Gedanke zu „das ist ja süß…

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