Hollywood in Hamburg

das ist Balsam auf Hamburgs geschundene Seele – die Bildzeitung jubelt und auch Jörg ist begeistert.
SThh2
sthh1a
Der Bildreporter stellt genau die richtigen Fragen:
sthh wozubraucht man das
Ich bin platt – 69 meter für sage und schreibe sthh kosten – der Meter für 7.246 EUR.

Man würde ja nichts sagen, wenn da nicht diese Gebührendebatte wäre. Für was in aller Welt braucht Studio Hamburg jetzt noch ein 1000qm großes Werbestudio?

Aha – verstanden, habe es nachgelesen in der Bilanz 2011 der Studio Hamburg GmbH : „Das konsolidierte Geschäftsvolumen des Bereiches Atelier & Technik mit den Standorten Hamburg, Berlin-Adlershof, Potsdam-Babelsberg, Lüneburg und Köln lag im Berichtsjahr 2011 bei TEUR 83.291 und somit DEUTLICH oberhalb des Vorjahreswertes von TEUR 67.646. (Jubelstürme brausen durch die Hafencity).
Das Gesamtergebnis 2011 des Bereiches Atelier & Technik lag insgesamt (Die Spannung steigt)
bei TEUR -7.085 (Hinweis in eigener Sache, das Vorzeichen ist ein MINUS). Vorjahr TEUR -3.655 und damit um TEUR 7.542 unterhalb der Planung von +TEUR 457.

Das klingt alles sehr logisch. Deutlicher Umsatzwachs um 25% – Verdoppelung des Defizits. Da geht was schief, und irgendwie merkt es keiner. Vielleicht wäre mal Umsatzrückgang ein Versuch wert.

Diese Bilanz von Studio Hamburg liest sich wirklich bestens. Jeder AG Vorstand würde von seinen Aktionären aus der Halle getrieben werden bei solch plumpen Versuchen sich die Wahrheit schön zu reden.
„Die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der Wegzug eines großen privaten Fernsehsenders am Standort Berlin hatten seit längerem zu einem insgesamt rückläufigen Volumen an Studioproduktionen geführt. Im Verlauf des Geschäftsjahres 2011 konnte dieser Rückgang durch eine organisatorische Neuausrichtung, Straffung der Führungsstruktur und Änderung der Akquisisationsstrategie gestoppt werden. Im zweiten Geschäftshalbjahr kam es zu vermehrten Beauftragungen neuer Formate und speziell großer Studio- und Shorproduktionen privater Auftraggeber, was auch zu einem Umsatz und Auslastungsanstieg gegenüber dem Vorjahr geführt hat.“

„Der Einsatz der mobilen Produktionstechnik befindet sich im Bereich der Berichterstattung von Sportereignissen und großer Veranstaltungen auf hohem Niveau und konnte gegenüber dem Vorjahr weiter gesteigert werden…“
Die Wahrheit liegt in den Zahlen und das Trauerspiel geht gerade so weiter. Immer dann wenn öffentlich rechtliche Tochterfirmen am freien Markt agieren geht das schief. Das ist bei Studio Hamburg nicht anders wie bei der MCA und Media Mobil. Die genauen Zahlen der Bavaria und ihrer Töchter sind so nicht bekannt, denn in Bayern gehen die Uhren bekanntlich anders, Transparenz ein Unwort.

Zurück zu Studio Hamburg. Am Ende der Bilanz erfolgt eine Auflistung aller Beteiligungen der Studio Hamburg GmbH samt Jahresergebnis 2011 in TEUR (ich habe nur ein paar ausgewählt)
Studio Hamburg Produktion Gruppe + 4.140
Studio Hamburg FilmProduktion + 3.369
Blondheim TV + 196
Nordfilm Kiel + 298
Studio Berlin FilmProduktion + 132
Gruppe 5 + 227
Polyphon + 814
Polyphon International + 435
DokFilm + 139
Polyscreen + 467
Cinecentrum Hamburg + 2.117
Cinecentrum Berlin + 1.502
Cinecentrum Hannover + 247
Studio Hamburg Serienwerft + 2.852
Studio Hamburg Serienwert Lüneburg + 3.432

Schickes Ergebnis bis dahin: 19 Mio EUR Gewinn, der NDR als unmittelbare Mutter könnte das Geld gut brauchen, es ist knapp 1/3 der von den Anstalten angemeldete Mehrbedarf für 2014.

Nun kommt das Grauen:

Studio Hamburg Berlin Brandenburg – 7.240
Studio Hamburg Filmtechnik – 439
Studio Hamburg Postproduktion – 1.215
Studio Berlin Adlershof – 4.324
Audio One – 87
Studio Hamburg Gastronomie – 780
Pinewood StudioBerlin FilmServices – 264

Wer scharf und lange nachdenkt, auch ich habe Tage gebraucht, stellt fest was sie können und was sie nicht können, ohne die Frage beantworten zu wollen, ob sie das was sie wenigstens können überhaupt sollen.

Die Lage ist prekär. Einen Käufer für die Berliner Bude ist schwer zu finden, man will sie gerne loswerden. Aus informierten Quellen gibt es das Gerücht, dass die Geschäftsführer Mike Krüger und Götz Höfer ein Angebot abgegeben haben. Auch ne klasse Taktik: den Laden ruinös entwickeln und ihn dann im besten Falle mit negativem Kaufpreis zu erwerben.
Von der MCI will sich der NDR ebenso gerne trennen, auch hier haben potentielle Käufer abgewunken. Trotz der Tatsache, dass die MCI sich wohl aus verschiedensten Projekten quasi rausgekauft hat, unter anderem mit einer Millionenzahlung an das ZDF. Mit Spannung warten wir auf die Veröffentlichung der Bilanzzahlen für das Jahr 2012. Vielleicht konnte die Gruppe Atelier & Technik ihren Umsatz wieder steigern, um dann…..

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offener Brief

Anläßlich der Diskussionen um die Anzahl der ARD Mitarbeiter, die zur IOC Versammlung nach Buenos Aires geflogen sind, schrieb Prof. Martin Hagemann von der HFF Potsdam einen offenen Brief an den Pressereferenten der ARD Wolfgang Utz.

To: wolfgang.utz@swr.de
Faktencheck ARD Reise nach Buenos Aires / Nachfragen

Sehr geehrter Herr Utz,

Danke für die Informationen im Zusammenhang mit dem Beitrag aus der FAZ bzgl. des Engagements der ARD anlässlich der IOC Sitzung in Buenos Aires. Da ich in meiner Funktion als Lehrender im Bereich Produktion an der Hochschule für Film- und Fernsehen in Diskussionen über dieses Thema verwickelt bin und meine Aufgabe auch darin sehe, die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seines Programms zu begründen- erlauben Sie mir bitte zwei Fragen:

• War das ARD – Team in Buenos Aires ausschließlich zur Berichterstattung der Wahl des IOC Präsidenten angereist?
• Ist innerhalb der ARD eine Alternative diskutiert worden, die z.B. darin bestanden hätte, Bildmaterial aus lokalen Beiträge zu übernehmen und Interviews etc. über Datenleitungen zu führen?

Die Hauptkritik an dem betriebenen Aufwand hat sich vor allem daran entzündet, dass Coproduktionsbeiträge und Ankaufspreise für Dokumentar- und Spielfilme, die an der HFF, bzw. von den Alumni aus dem Studiengang Produktion für öffentlich-rechtliche Sender hergestellt werden, in den letzten Jahren deutlich gesunken sind und inzwischen teilweise unter dem Betrag liegen dürften, der – grob gerechnet – für die Flug- und Unterbringungskosten der von Ihnen genannten Delegation für 2-3 Tage – ausgegeben wurde. Es stellt sich nach Einführung der Haushaltsabgabe verstärkt die Frage nach der Berechtigung derselben angesichts des herrschenden Angebots der öffentlich-rechtlichen Sender. Die Berichterstattung über die Wahl eines IOC Präsidenten, der letztlich einem privaten Verein vorsteht, lässt zumindest in diesem Fall die Frage nach dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und dem dafür betriebenen Aufwand gerechtfertigt erscheinen. Dokumentarfilme und zeitkritische Spielfilme gehören auch meiner Meinung nach eher zum Programmauftrag der ARD als die Berichterstattung über einen Verein, dessen finanziellen Gepflogenheiten und politischen Stellungnahmen, bzw. deren Unterlassung gerade auch in letzter Zeit nicht unbedingt immer in Deckung mit unserer demokratischen und freiheitlichen Grundordnung standen. Ich wäre Ihnen deshalb sehr verbunden, wenn Sie die zwei oben gestellten Fragen gelegentlich beantworten könnten.
mit herzlichem Dank und Gruß
Prof. Martin Hagemann

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Prof. Martin Hagemann
Hochschule für Film- und Fernsehen „Konrad Wolf“
Dekan Fakultät III
Marlene-Dietrich-Allee 11
14482 Potsdam-Babelsberg
Telefon: 0331 / 62 02 – 0
Durchwahl: 0331 / 62 02 – 250
email: m.hagemann@hff-potsdam.de

Es ist gut, dass sich auch die Hochschulen und vielleicht bald auch andere Institutionen zu Wort melden. Da ich die Diskussion zwar spannend, aufgrund der doch selten stattfinden IOC Präsidentenwahlen aber auch müßig finde, habe ich Professor Hagemann in einem Schreiben gebeten, sich doch auch zu den viel wichtigeren Themen, die unter anderem in diesem Blog zu finden sind zu Wort zu melden.
Es gibt sozusagen einmalige Verschwendungen, aber auch permanente.

An m.hagemann@hff-potsdam.de; wolfagng.utz@swr.de

Sehr geehrter Herr Hagemann,

mit Interesse habe ich Ihren offenen Brief hinsichtlich des Faktenchecks „ARD Reise nach Buenos Aires“ gelesen und mag Ihnen auch gerne in allen Bereichen zustimmen. Fraglich alleine ist, dass sich eine ganze Menge Menschen über reisende ARD Mitarbeiter mokieren, die täglichen Skandale und Geldverschwendungen aber gerne außen vorlassen.
Die Media Mobil GmbH aus Halle ist ein Tochterunternehmen der sendereigenen Drefa Holding und hat im Berichtsjahr 2012 einen Verlust in Höhe von EUR 449.289,97 erwirtschaftet. Nicht viel besser sieht es bei der MCA aus Leipzig aus. Diese erwirtschaftete im Berichtsjahr 2011 einen Verlust in Höhe von EUR 219.233, im Jahr 2012 einen Verlust i.H.v. 197.501,60.

Diese beiden MDR Tochter bzw Enkelfirmen haben in den vergangenen Jahren einen Verlustvortrag von über 2.700.000 EUR erwirtschaftet.

Eine Betrachtung der ebenfalls öffentlich rechtlichen Tochter/Enkelfirmen Bavaria Studios, Cine Mobil, Studio Hamburg und Studio Hamburg Berlin Adlershof lasse ich hier mal außen vor, auch wenn wir hier mit Gesamtverlusten im 2stelligen Millionenbereich rechnen müssen. Leider ist das Zauberwort Transparenz noch nicht bei allen angekommen.

Während die Reisen der ARD Mitarbeiter verständlicherweise zu Verärgerung führen, haben sie keine weiteren wesentlichen Folgen für die Branche. Anders hingegen verhält es sich durch das Gebahren der oben angesprochenen Firmen Media Mobil, MCA, Bavaria Studios, Cine Mobil und De Facto Motion. Deren offensichtlich ohne Hirn und Verstand eingeleitete Low Price Politik bedrängt eine ganze Reihe von Dienstleistern in den Bereichen Post Produktion, Licht und Grip-, sowie Vermietung von Kameratechnik.

Während die ARD Mitarbeiter aus Buenos Aires vermutlich längst zurückgekehrt sind, geht das Wüten der öffentlich rechtlichen Dienstleister ohne Kontrolle einfach weiter. Über die Folgen können Sie sich zum Beispiel bei den noch verbliebenen Mitarbeitern der Cine Postproduktion erkundigen, die derzeit von unseren Steuergeldern per Insolvenzgeld überleben müssen.
Noch mehr Informationen finden Sie einigermaßen regelmäßig auf meinem Blog http://www.filmundfernseh.wordpress.com.

Ich würde mich sehr freuen, Ihr Engagement weiter beobachten zu können, bleiben Sie aktiv. Ich bin sicher, die angesprochenen unabhängigen und mittelständischen Dienstleister werden es Ihnen danken und ganz besonders gerne den Dokumentarfilmern unseres Landes gute und faire Konditionen anbieten.

mit freundlichen Grüßen
Franz Jammer

Schläfer

Die Rechnungshöfe der Länder haben ja eigentlich eine sinnvolle Funktion. Das Problem scheint nur, dass sie entweder überlastet, oder einfach nicht transparent genug arbeiten. In einem Gutachten mit dem Titel „Öffentlich-rechtlicher Rundfunk zwischen Wettbewerb und Kultur“, das ich irgendwann mehr per Zufall auf der Webseite Der Linken fand, finden sich durchaus brisante Informationen.
BR
SWR

Die Form der Selbstbedienung wird durchaus deutlich, und da tun sich die netten Fernsehmacher keinen Deut besser als die bayerischen Landtagsabgeordneten – ganz nach dem Motto „Selbstbedienung soll sich wieder lohnen“.

Der sächsische Rechnungshof fand noch ganz andere Dinge:
DREFA

und zur MCA folgendes:
MCA

Vielleicht ist es alleine deshalb kein Problem mehr, weil die MCA derzeit alles andere als eine Finanzierungsquelle ist. Im Umkehrschluss müssen die technischen Dienstleister einfach Miese machen, damit kein Rechnungshof auf dumme Gedanken kommt.

Oder aber die Rechnungshöfe sind einfach nur Schläfer.

Das ganze Gutachten findet man hier: Gutachten Die Linke

Lesetipp: Zuschauer verhöhnt und verhökert

Eigentlich haben öffentlich-rechtliche Sender mit ihren TV-Steuer-Milliarden den Auftrag, unabhängiges Programm für ihre Zuschauer zu machen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das Programm wird gemacht für die Werbeindustrie und dient einzig einem Zweck: Zuschauer anzulocken und an die Werbeindustrie zu verhökern. Damit werden zusätzliche Milliardeneinnahmen gemacht – obwohl ARD & ZDF ohnehin schon per Rundfunkzwangsabgabe an die 10 Milliarden reinholen. Aber das reicht nicht. Sie kriegen den Hals nicht voll.
http://homment.com/ard-werbeskandal
und noch mehr hier
http://homment.com/zdf-werbung

wenn man das alles aufmerksam liest, stellen sich ganz andere Fragen.

Vorbilder

Man könnte ja meinen, Öffentlich Rechtliche Firmen könnten nicht in die Insolvenz gehen, aber genau vor 10 Jahren hat der Hessische Rundfunk sich konsequent gezeigt und die Taunus Film GmbH in die Insolvenz geschickt.
Pikant war damals, dass versuchte wurde, RTL den schwarzen Peter zuzuschieben. Könnte doch auch Vorbild sein für….
Vielleicht auch eine Idee für RTL und ProSiebenSat1, den Druck auf die Öffentlich Rechtlichen Rundfunk Anstalten zu erhöhen, und sich für einen funktionierenden Markt zu engagieren.

Nicht wundern

Die Zahl der Leser steigt, die Zahl der Informanten leider nicht. Das ist natürlich schade, weil Informationen bekanntlich nur mit qualitativ hochwertigen Informationsquellen entstehen.
Ich habe dafür beim Stöbern andere, im weitesten Sinne thematisch zugehörige Dinge gefunden, die ich Euch nicht vorenthalten wollte. Das liebe Geld und die Öffentlich Rechtlichen Rundfunkanstalten – eine fabelhafte Verbindung.

Degeto 2.0

Ich habe selten so gelacht (was natürlich ob der Studio Hamburg – Cinemedia – Bavaria Affäre ein wenig gelogen ist). Die Degeto, DIE Produktionsfirma der ARD Anstalten kommt in der Wirklichkeit an. „„Wir wissen inzwischen, was wir tun“, sagte Strobl (die neue Chefin der Degeto) bei der Veranstaltungsreihe „Talking Heads“, die der Verband der Fernseh-, Film-, Multimedia- und Videowirtschaft VFFV in dieser Woche gemeinsam mit dem Medienmagazin DWDL.de im Kölner Residenz-Kino ausrichtete. „ Und jetzt kommts: „nicht mal eine EDV war vorhanden, als sie zur ARD-Filmproduktionstochter kam.“. Das ganze ist nachzulesen beim Medien Magazin DWDL, dort wird von einem Termin des Verbandes der Fernseh-, Film-, Multimedia- und Videowirtschaft VFFV berichtet, bei dem die Degeto Chefin Rede und Antwort stand.