offener Brief

Anläßlich der Diskussionen um die Anzahl der ARD Mitarbeiter, die zur IOC Versammlung nach Buenos Aires geflogen sind, schrieb Prof. Martin Hagemann von der HFF Potsdam einen offenen Brief an den Pressereferenten der ARD Wolfgang Utz.

To: wolfgang.utz@swr.de
Faktencheck ARD Reise nach Buenos Aires / Nachfragen

Sehr geehrter Herr Utz,

Danke für die Informationen im Zusammenhang mit dem Beitrag aus der FAZ bzgl. des Engagements der ARD anlässlich der IOC Sitzung in Buenos Aires. Da ich in meiner Funktion als Lehrender im Bereich Produktion an der Hochschule für Film- und Fernsehen in Diskussionen über dieses Thema verwickelt bin und meine Aufgabe auch darin sehe, die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seines Programms zu begründen- erlauben Sie mir bitte zwei Fragen:

• War das ARD – Team in Buenos Aires ausschließlich zur Berichterstattung der Wahl des IOC Präsidenten angereist?
• Ist innerhalb der ARD eine Alternative diskutiert worden, die z.B. darin bestanden hätte, Bildmaterial aus lokalen Beiträge zu übernehmen und Interviews etc. über Datenleitungen zu führen?

Die Hauptkritik an dem betriebenen Aufwand hat sich vor allem daran entzündet, dass Coproduktionsbeiträge und Ankaufspreise für Dokumentar- und Spielfilme, die an der HFF, bzw. von den Alumni aus dem Studiengang Produktion für öffentlich-rechtliche Sender hergestellt werden, in den letzten Jahren deutlich gesunken sind und inzwischen teilweise unter dem Betrag liegen dürften, der – grob gerechnet – für die Flug- und Unterbringungskosten der von Ihnen genannten Delegation für 2-3 Tage – ausgegeben wurde. Es stellt sich nach Einführung der Haushaltsabgabe verstärkt die Frage nach der Berechtigung derselben angesichts des herrschenden Angebots der öffentlich-rechtlichen Sender. Die Berichterstattung über die Wahl eines IOC Präsidenten, der letztlich einem privaten Verein vorsteht, lässt zumindest in diesem Fall die Frage nach dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und dem dafür betriebenen Aufwand gerechtfertigt erscheinen. Dokumentarfilme und zeitkritische Spielfilme gehören auch meiner Meinung nach eher zum Programmauftrag der ARD als die Berichterstattung über einen Verein, dessen finanziellen Gepflogenheiten und politischen Stellungnahmen, bzw. deren Unterlassung gerade auch in letzter Zeit nicht unbedingt immer in Deckung mit unserer demokratischen und freiheitlichen Grundordnung standen. Ich wäre Ihnen deshalb sehr verbunden, wenn Sie die zwei oben gestellten Fragen gelegentlich beantworten könnten.
mit herzlichem Dank und Gruß
Prof. Martin Hagemann

___________________________________________
Prof. Martin Hagemann
Hochschule für Film- und Fernsehen „Konrad Wolf“
Dekan Fakultät III
Marlene-Dietrich-Allee 11
14482 Potsdam-Babelsberg
Telefon: 0331 / 62 02 – 0
Durchwahl: 0331 / 62 02 – 250
email: m.hagemann@hff-potsdam.de

Es ist gut, dass sich auch die Hochschulen und vielleicht bald auch andere Institutionen zu Wort melden. Da ich die Diskussion zwar spannend, aufgrund der doch selten stattfinden IOC Präsidentenwahlen aber auch müßig finde, habe ich Professor Hagemann in einem Schreiben gebeten, sich doch auch zu den viel wichtigeren Themen, die unter anderem in diesem Blog zu finden sind zu Wort zu melden.
Es gibt sozusagen einmalige Verschwendungen, aber auch permanente.

An m.hagemann@hff-potsdam.de; wolfagng.utz@swr.de

Sehr geehrter Herr Hagemann,

mit Interesse habe ich Ihren offenen Brief hinsichtlich des Faktenchecks „ARD Reise nach Buenos Aires“ gelesen und mag Ihnen auch gerne in allen Bereichen zustimmen. Fraglich alleine ist, dass sich eine ganze Menge Menschen über reisende ARD Mitarbeiter mokieren, die täglichen Skandale und Geldverschwendungen aber gerne außen vorlassen.
Die Media Mobil GmbH aus Halle ist ein Tochterunternehmen der sendereigenen Drefa Holding und hat im Berichtsjahr 2012 einen Verlust in Höhe von EUR 449.289,97 erwirtschaftet. Nicht viel besser sieht es bei der MCA aus Leipzig aus. Diese erwirtschaftete im Berichtsjahr 2011 einen Verlust in Höhe von EUR 219.233, im Jahr 2012 einen Verlust i.H.v. 197.501,60.

Diese beiden MDR Tochter bzw Enkelfirmen haben in den vergangenen Jahren einen Verlustvortrag von über 2.700.000 EUR erwirtschaftet.

Eine Betrachtung der ebenfalls öffentlich rechtlichen Tochter/Enkelfirmen Bavaria Studios, Cine Mobil, Studio Hamburg und Studio Hamburg Berlin Adlershof lasse ich hier mal außen vor, auch wenn wir hier mit Gesamtverlusten im 2stelligen Millionenbereich rechnen müssen. Leider ist das Zauberwort Transparenz noch nicht bei allen angekommen.

Während die Reisen der ARD Mitarbeiter verständlicherweise zu Verärgerung führen, haben sie keine weiteren wesentlichen Folgen für die Branche. Anders hingegen verhält es sich durch das Gebahren der oben angesprochenen Firmen Media Mobil, MCA, Bavaria Studios, Cine Mobil und De Facto Motion. Deren offensichtlich ohne Hirn und Verstand eingeleitete Low Price Politik bedrängt eine ganze Reihe von Dienstleistern in den Bereichen Post Produktion, Licht und Grip-, sowie Vermietung von Kameratechnik.

Während die ARD Mitarbeiter aus Buenos Aires vermutlich längst zurückgekehrt sind, geht das Wüten der öffentlich rechtlichen Dienstleister ohne Kontrolle einfach weiter. Über die Folgen können Sie sich zum Beispiel bei den noch verbliebenen Mitarbeitern der Cine Postproduktion erkundigen, die derzeit von unseren Steuergeldern per Insolvenzgeld überleben müssen.
Noch mehr Informationen finden Sie einigermaßen regelmäßig auf meinem Blog http://www.filmundfernseh.wordpress.com.

Ich würde mich sehr freuen, Ihr Engagement weiter beobachten zu können, bleiben Sie aktiv. Ich bin sicher, die angesprochenen unabhängigen und mittelständischen Dienstleister werden es Ihnen danken und ganz besonders gerne den Dokumentarfilmern unseres Landes gute und faire Konditionen anbieten.

mit freundlichen Grüßen
Franz Jammer

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