Quersubventionierung

das was Herr Marmor vor Jahren so brüsk von sich gewiesen hat ist letztendlich doch täglicher Standard im System der öffentlich rechtlichen Firmen.
Befasst sich man ein wenig intensiver (haha Google lässt grüßen) findet man zum Beispiel:
Öffentliche Unternehmen[Bearbeiten]

Öffentliche Unternehmen (z. B. Stadtwerke), die verschiedene Produktbereiche anbieten, haben die Möglichkeit, Gewinne in einzelnen Produktbereichen (z. B. der Stromversorgung) dazu zu nutzen, die Preise in anderen Produktbereichen (z. B. Öffentlicher Nahverkehr) zu senken. Hierdurch subventionieren die Kunden des einen Produktes die Nutzer des anderen.
Begründet wird eine derartige Praxis z. B. damit, sozialverträgliche Preise für bestimmte Dienstleistungen zu gewährleisten.
Ein Beispiel: Das kommunale Elektrizitätswerk einer Stadt und der kommunale Nahverkehrsbetrieb sind als Tochtergesellschaften einer gemeinsamen städtischen Holding-Gesellschaft organisiert. Das Elektrizitätswerk erwirtschaftet Überschüsse, die dazu genutzt werden, die Betriebsverluste des Nahverkehrsbetriebes auszugleichen.
Quersubventionen werden in der Wirtschaftswissenschaft oft kritisiert, weil sie dazu beitragen können, ineffiziente Strukturen aufrechtzuerhalten. Weiterhin verhindert die Praxis der Quersubventionierung Transparenz. Andererseits kann durch Quersubventionierung ein flächendeckendes Leistungsangebot (ohne räumliche Preisdifferenzierung) finanziert werden. So trugen z. B. im Bereich Post und Telekommunikation zu Zeiten des staatlichen Monopols die Gewinne aus den Ballungszentren dazu bei, das Leistungsangebot ohne Preisaufschläge auch in den unrentablen ländlichen Regionen anzubieten. Seit der Liberalisierung dieser Wirtschaftszweige sind die ehemaligen staatlichen Monopolisten hohem Kostendruck durch neue Konkurrenten ausgesetzt. Diese konzentrieren ihre Geschäftstätigkeit auf die lukrativen Ballungsräume. Um im Wettbewerb bestehen zu können, beenden die ehemaligen Monopolisten ihre Quersubventionierung, mit der Folge, dass in Deutschland bspw. die Telekom die notwendigen Investitionen unterlässt, um auch kleine, ländliche Ortschaften an das DSL-Netz anzuschließen oder die Post immer mehr Filialen auf dem Land schließt.[1][2]
Vielfach sind öffentliche Unternehmen auch Monopolisten auf ihrem Gebiet. Hier gilt das unten ausgeführte entsprechend.
Im Bereich der Wasserwirtschaft wird die Quersubventionierung durch die Wasserrahmenrichtlinie ausdrücklich untersagt. Im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs ist die Zulässigkeit der Quersubventionierung aufgrund der Verordnung (EG) Nr. 1370/2007 rechtlich umstritten.[3]

Wie schief das mit Ausleihungen und Darlehen an Tochtergesellschaften gehen kann zeigt zum einen mal die Cinemedia AG, bzw die Cine Postproduktion, deren 100% Tochter bekanntlich die Licht und Ton Geräteverleih GmbH ist. Zum 31.12.2011 hatte die Licht und Ton GmbH Forderungen gegen ihren Gesellschafter Cinepost in Höhe von TEUR 2.374 (sprich 2,3 Mio EUR). Die Cinepost als Gesellschafter (oder die Cinemedia als stiller?) hatte Einlagen in Höhe von TEUR 3.764 (also 3,7 Mio EUR). Aufgeblähte Bilanz für die eigentliche Wertlosigkeit. Im Zuge der Insolvenz der Cinepost waren die Forderungen von Licht und Ton gegen die eigene Mutter auf einmal ziemlich wertlos. Im Gegenzug hätte der Insolvenzverwalter wohl die Möglichkeit das eingesetzte Kapital wieder herauszuziehen, aber wo nix ist, da kann man meist noch weniger holen. Licht & Ton steht nach überwiegender Branchenmeinung wohl zum Verkauf. Nach allem was man hört sind nicht mehr als 800.000 EUR zu erwarten.

Das zeigt die eigentliche Wertlosigkeit dieser ganzen Firmen, nur um nicht hinterher mit dem Vorwurf konfrontiert zu werden man hätte es nicht gewusst schreibt Bavaria Studios und Produktion GmbH gleich mal vorab in ihre eigene Bilanz:CM Investitionen. Man weiss ja nie. Bei einem Stand von Verbindlichkeiten gegenüber dem Gesellschafter in Höhe von EUR 7.050.079 (7 Mio), und einem Anlagevermögen von EUR 6.126.710, das in dieser Menge zu diesem Wert vermutlich auch gar nicht erlöst werden könnte ist größe Vorsicht angesagt. Wobei das bilanzielle Risiko gar nicht das entscheidende Problem ist.
Das Problem ist die Quersubventionierung, die der gute Herr Marmor so vehement und freundlich von sich weist. Ob diese Subventionierung mit letztendlich öffentlichen Geldern überhaupt gestattet ist, das sollten andere Menschen mal näher unter die Lupe nehmen.

Am Ende könnte der Markt die Antwort eigentlich selbst geben. Wenn alle Produzenten das Problem verstehen würden, dass sie ein System aufrechterhalten, das dafür sorgt, dass weniger Geld in Produktionsaufträge an sie selbst fließen kann, dann wäre mal ein Anfang gemacht. Könnte ja sein, dass das passiert.

PS – eine Betrachtung der Bilanzen der MCA, Media Mobil, Studio Hamburg, Studio Berlin habe ich erst gar nicht angefangen. Aber finden würde man dort nicht viel anderes.

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wer hats gesagt?

beim stöbern bin ich mal wieder hängen geblieben:
„Mich hat Herr Prof. Schellhaaß ein klein wenig mit einem Grußwort provoziert, als er sagte, die Rundfunkanstalten müssten sich jetzt mal langsam beschäftigen mit Stichworten wie angemessener Finanzierung ihrer Tochtergesellschaften, Eigenwirtschaftlichkeit, struktureller Separierung etc. Da scheint mir manchmal noch ein Bild vorzuherrschen, das werfe ich niemandem vor, ich will es nur klarstellen, das der Realität in den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten schon lange nicht mehr entspricht. Ich denke nur einmal an meine Hamburger Zeit beim NDR, da gibt es das große Studio Hamburg, an dem der NDR mit 100% Gesellschafter ist. Selbstverständlich haben wir dort schon damals all dies beachtet, ohne EU, auch ohne die Rechnungshöfe, die da nicht reingeguckt haben. Das ist doch in unserem ureigenen Interesse. Warum haben wir denn Tochtergesellschaften? Die haben doch den Zweck strategische Optionen offen zu halten, nicht abhängig vom Markt zu werden,…..
Das zweite ist, die Tochtergesellschaften müssen wirtschaftlich sein. Es macht doch überhaupt keinen Sinn, wenn wir das nicht beachten würden. Das wäre ja gegen die eigenen Interessen. Auch Quersubventionierung wäre für uns schon ein Schaden, eine Verzerrung von Ergebnissen….“

Bravo Herr Marmor, weiter so – und lassen Sie den Reden auch Taten folgen..
Quelle: Die Finanzierung des öffentlich rechtlichen Rundfunks: aktuelle Debatten / Manfred Kops

Es ist ruhig geworden

Es ist ruhig geworden um die Cinemedia / Cinepost, das wollte ich schon schreiben, als dann doch noch ein paar Hinweise eintrudelten.
Bei einer etwas turbulenten Betriebsversammlung am vergangenen Dienstag präsentierte der eingesetzte Interimsmanager die ersten Entscheidungen: Knapp 50% der Mitarbeiter (ca 125) wurden zum 1.11.2013 gekündigt, eine Transfergesellschaft ist vorgesehen. Hamburg und Köln werden geschlossen, das Kopierwerk in Berlin ebenso.
Um den Rest bewerben sich natürlich die Bavaria, das war ja zu vermuten – aber auch die Tele München Gruppe um Herrn Kloiber. Eine dritte Partei ist auch am Zuge, Namen kennt man nicht. Interessant ist das natürlich, die Cinepost schiebt einen ordentlichen Verlustvortrag vor sich her, mit dem man wunderbar steuerlich gestalten kann.
Vorteil für die Bavaria könnte die Tatsache sein, dass sowohl in Berlin wie auch in München die Räume eh im Bavaria Eigentum sind und man sich damit eine Menge Umzug und Umbaukosten sparen kann. Ob es dem Markt aber gut tut, das ist eine ganz andere Frage. Köln und Hamburg dagegen können aufatmen.
Ach ja, nach übereinstimmenden Meldungen sind Herr Sommer, wie auch Herr Müller auf eigenen Wunsch nicht mehr an Bord.

Der NDR Fernsehdirektor

wie tief ist eigentlich dieser Öffentlich Rechtliche Sumpf? Gibt es keine anderen geeigneten Kandidaten?
Ich kann das alles gar nicht fassen, was wir uns mit unseren monatlichen 17.95 alles leisten.
Der NDR Fernsehdirektor Frank Beckmann hatte irgendeinen Dreck am Stecken, so richtig weiss das wohl nur der MDR, der seine Informationen an die Staatsanwaltschaft Erfurt übergeben hat. Allerdings ein wenig spät, Teile der Vorwürfe scheinen verjährt zu sein. Natürlich ist sich Beckmann keiner Schuld bewusst, so hat er es dem Intendanten erklärt. Es geht um eine 5stellige Summe, bei der die Staatsanwaltschaft Erfurt davon ausgeht, dass im Zusammenhang des Kika Sommerfestes 2008, was gleichzeitig das Abschiedsfest für Herrn Beckmann war, fingierte Rechnungen gestellt wurden über Leistungen, die nie erbracht wurden. (siehe Spiegel Online) (ergänzend sei angemerkt, dass es um einen Gesamtschaden in Höhe von knapp 100.000 EUR geht)
Und weil er sich keiner Schuld bewusst ist, zahlt er jetzt der Staatsanwaltschaft Erfurt eine Geldbuße in Höhe eines lapidaren Betrags von EUR 30.000. Dann wird das laufende Verfahren gegen ihn eingestellt.
Für Beckmann hat das einen großen Vorteil – NDR Intendant Lutz Marmor will ihn wohl unbedingt weiter als Fernsehdirektor haben und schlägt ihn daher zur baldigen Wiederwahl vor, die Amtszeit endet Ende Oktober.
Vielleicht will sich NDR Intendant einfach nur die Kosten für die Abschiedsparty sparen, ich dagegen kenne eine Menge Sponsoren, die für Beckmanns Abschiedsparty gerne ein paar EURO spenden würden.

geht nichts weiter?

ich war ein paar Tage im Urlaub. Schreib und Denkpause. Das ist für mich nicht ungewöhnlich, für Eure Branche auch nicht. Besser den Kopf abschalten, gar nicht nachdenken – die ÖR einfach machen lassen.
Mit etwas Abstand sagt sich das auch leicht. Im Ernst scheint es zwar viele zu interessieren (das zeigen die steigenden Zugriffszahlen), aber was ändern zu wollen scheint dann doch etwas viel verlangt. Informationen kommen keine – zwar gibt es den ein oder anderen Menschen, der unter leichten Verwindungen Andeutungen macht, aber konkret, weit gefehlt.

Dabei muss es ordentlich pusten in der Branche. Da werden Jobs nicht mehr für Geld gemacht, sondern man bringt einfach welches mit. In anderen Fällen benehmen sich Firmen wie ein Haufen Mist und kriegen das nächste Projekt auch noch reingeschoben. Interessiert niemanden, anscheinend.

Deutschland erlahmt, vielleicht ist es der morgendliche Herbst Frühnebel, der unsere Hirne für die eigentlich wichtigen, weil Überlebensfragen trübt – da passt es ganz gut, dass zum morgendlichen Wiedereinschlafen die Kollegen von www.out-takes.de eine noch schläfrigere Bundestagswahlanalyse zum Besten geben.

Der Lichtblick des Tages? Nur per Zufall habe ich davon gelesen, die ersten Seiten gestern abend verschlungen – es ist ein mutiges Buch von einer engagierten Person : Nicole Joens – Tanz der Zitronen „Ihr Buch erklärt warum wir alle gemeinsam dafür sorgen müssen, dass ARD und ZDF neue Wege aus überalterten und teilweise erschreckenden Verwaltungsstrukturen finden.“ (aus dem Klappentext).
Die Geschichte erschreckend – die Autorin mutig – das Buch lesenswert.