Kunst kommt von Können

käme sie von Wollen, hieße sie Wulst.
Können
Die Kunst des Studiomanagements – titelte das Online Portal mebucom zum Joint Venture von Pinewood Studios und der Studio Hamburg Tochter Studio Berlin im Jahr 2010. Die Entscheider hatten vermutlich längst schon wieder feuchte Augen und diese untrügliche Gier nach Ruhm und Rotem Teppich. Klangvolle Namen wie James Bond und Harry Potter, Oskar preisgekrönte Kino Produktionen, und das im eigenen Haus? Die hohe Kunst des Studiomanagement liegt im Management der verschiedenen Dispositionskapazitäten weiss Houcken, der ehemalige Geschäftsführer von Studio Hamburg. Bavariagleich wird natürlich gelockt mit den deutschen Fördermillionen des DFFF und der regionalen Förderanstalten.
Access Pinewood
170 Mill pinewood

Ich fürchte so richtig gelohnt hat sich das für keinen. Weder James Bond, noch Harry Potter haben den Weg dorthin gefunden, so richtig Glamour hat das Gelände nie gesehen. Ich habe dann nochmal auf die Jahre geschaut, 2010 und 2011, richtig – da war doch was. Aber richtig schlau geworden bin ich leider nicht.
Sicher ist nur – Studio Hamburg Atelier & Technik und Studio Berlin Adlershof hatten bei einem Umsatzwachstum von knapp 25% ihren Verlust von knapp 3,6 Mio auf 7,5 Mio steigern können. Während die Pinewood Studio Berlin Film Services GmbH nur mit knapp 450.000 EUR am Leben erhalten werden musste. Es wurden in den Geschäftsjahren keine Mitarbeiter beschäftigt. Komisch, gab es denn gar nichts zu tun?

Bilanz 2010

Bilanz 2011

Ob sich in der Gier nach Ruhm, Ehre und rotem Teppich da einfach Kosten in Richtung Öffentlich Rechtlicher Tochterfirmen verschoben haben, wissen vermutlich nur die Mesnschen, die dort schon nicht mehr sind, oder eben bald woanders anheuern.

Bewegung

Stillstand in München – oder kommt doch Bewegung in den Markt? Auf ganz unterschiedlichen Ebenen passieren wundersame Dinge. Während Rundfunkräte ihren Sitzungsschlaf gemütlich fortsetzen, entstehen hier und dort neue, kleine und etwas größere Brandherde. Ein paar Firmen haben gehandelt und einen neuen Verband gegründet – Allianz unabhängiger Filmdienstleister – AUF. Das wiederum sorgt für ein wenig Unruhe in Grünwald und in Tonndorf. Dort ist eh gerade Feuer unter dem Dach. Die notleidende MCI noch nicht verkauft, Personal reduziert und jeden neuen Tag vergrößert sich das Minus der Technik Dienstleister Atelier & Technik. Die Verhandlungen um die Studio Berlin Adlershof sind auch noch nicht abgeschlossen – am Ende wird es nicht billig werden, den Laden irgendwo unterzubringen, derweil sich hartnäckige Gerüchte halten, dass bestimmte Personen sich schon bald gen Süden aufmachen. Dort wiederum tauchen alte Namen auf, die schon fast vergessen waren, und jetzt um so mehr für neue Unruhe sorgen.
Das alles ist mit Abstand betrachtet äußerst amüsant, bei genauerem Hinsehen aber einmal mehr unglaublich. Alles unter dem Schutzmantel Öffentlich Rechtlicher Sender.

Ziemlich ahnungslos

die Billigbranche Fernsehen titelt die neue Osnabrücker Zeitung am 19.2.2014, und bezieht sich dabei auf die Podiumsdiskussion der Deutschen Akademie für Fernsehen mit dem geschätzten ARD Vorsitzenden Lutz Marmor. Mit ziemlich ahnungslos meint sie die KEF, sowie die Rundfunkräte. Diese streichen ihr Sitzungsgeld ein und nicken Entscheidungen ab. Dass die Sender und deren Verantwortlichen sich nicht selbst beschränken wollen erscheint logisch. Wer sägt schon gerne am eigenen Ast.
Ein Rundfunkrat kassiert pro Jahr meist zwischen 8.000 und 16.000 EUR pro Jahr. Für ein paar Sitzungen, Catering inklusive. Bisher haben wir von keinem Rundfunkrat mal einen Ansatz gehört, dass das ÖR Fernsehen sich doch mal auf das Programm und nicht auf das Drumrum konzentrieren solle. Deutschland hat den finanziell am besten ausgestatteten Rundfunk – weltweit, nur kommt das Geld weder im Programm, noch bei den Filmschaffenden und dem Programm produzierenden Mittelstand an.
Nur Reden hilft dem ganzen nicht weiter – und so interessant diese Podiumsdiskussionen auch sein mögen, es müssen Aktionen folgen, die Kontrolle besser werden – nur wie?

Zittern

es muss weiter gezittert werden um den Fortbestand der Cine Postproduktion. Naja, ehrlicherweise um den verbliebenen Rest der Truppe, denn Stück für Stück wurde ja schon abgesperrt oder Teile verhökert. Bei der 100% Tochter Licht & Ton wurde zumindest mal der Bereich Kameravermietung abverkauft, die Abteilung Event ist nach wie vor auf dem Basar zu haben. Bei der Cine Post wurden Standorte geschlossen und nach dem kurzfristigen Rückzug der Bavaria Film bangen nun die Mitarbeiter in München. Zukunftsfähig ist das wohl nur dann, wenn Gehaltseinbußen angenommen werden.
Aber was heisst hier zukunftsfähig. Mit ihrer dann doch zügellosen Expansion und der auf „egal was es kostet, wir machen jeden Job“ Taktik der Cine Mobil werden weiter Aufträge dorthin wandern und eben nicht zur Cine Post. Ich unterstelle ja, dass genau dies die Taktik der Bavaria Film von Anfang an war.
Ich muss hier nochmal den Intendanten des NDR und Vorsitzenden der ARD zitieren. Es war die Jahrestagung des Instituts für Rundfunkökonmie im Jahr 2007 zum Thema „Die Finanzierung des öffentlich rechtlichen Rundfunks“. Anlass waren der Rechtsstreit Deutschlands mit der EUuropäischen Union, sowie ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2007. In der Diskussion, die ich schon einmal zitiert hatte sprach Herr Marmor auch diese bedeutenden Sätze:
Es gibt intensive Kontrollsysteme. Wir haben keinerlei Interesse, den Wettbewerb auszuschalten und unser Geld auf diesen Märkten zu verbrennen. Insofern sehen wir dem Ganzen gelassen entgegen, solange es nicht dazu führt, dass wir jetzt auch kleinteiligst definieren müssen, was denn vielleicht auch noch am Rande irgendeine kommerzielle Tätigkeit sein könnte.
Nachzulesen ist das hier.

Ich fürchte, man muss mal direkt mit Herrn Marmor sprechen. Vielleicht ist tatsächlich die Cine Postproduktion (und auch andere Firmen) nur ein Kleinteil, und man mag es als unzumutbar annehmen, sich auch über diese Kleinteile einen Kopf machen zu müssen. Mein Nachbar hatte die Tage eine Steuerprüfung und furchtbarerweise musste er kleinteilig sein Fahrtenbuch präsentieren, das er nicht hatte, was jetzt zu einer kleinteiligen Steuernachzahlung führen wird.

Tipi gekapert und nix gekauft

vielleicht war das ja der Plan der Bavaria. Den traditionellen Geyer / Cine Post Tipi Empfang „kapern“, um während der Berlinale stolz die Übernahme der Cine Postproduktion zu feiern. So traurig und leer der Empfang von Ratz, Rübe und Waheed dann auch war, die Cine Postproduktion geht nun doch nicht zur Bavaria. Dies erklärte der Insolvenzverwalter der Cine Post den Mitarbeitern mit einem klaren Nein.
Es gibt Berichte, der Insolvenzverwalter prüfe rechtliche Schritte gegen die Bavaria, man darf gespannt sein. Klar ist aber wohl – die Vollzugsmeldung vor wenigen Tagen war nicht richtig.
Und nun? Viele bleiben nicht mehr übrig aus dem bisherigen Bieterkreis, eigentlich nur noch die TMG Gruppe um Dr. Kloiber.
Kommt da vielleicht doch so langsam etwas Druck aus den Aufsichtsgremien der Bavaria?

20 Millionen für Studio Hamburg

und nochmal das Thema Quersubventionierung mit Rundfunkgebühren. Laut Focus unterstützte der NDR Studio Hamburg im vergangenen Jahr mit einer Zahlung von 20 Millionen EUR. Herr Marmor wird es sicher gut erklären können, morgen bei seinem Auftritt bei der Deutschen Akademie für Fernsehen.
Einmal mehr, Rundfunkgebühren für technische Dienstleister der öffentlich rechtlichen Sende Anstalten.

an den Intendanten des NDR, Lutz Marmor

Sehr geehrter Herr Marmor,

am kommenden Dienstag nehmen Sie an der Veranstaltung Disput der Deutschen Akademie für Fernsehen
„Vertrauen ist gut – Muss die Kontrolle besser sein?“ Über die sinnvolle Verwendung der Rundfunkabgabe
teil. Das finde ich sehr spannend.
In der Bilanz der Studio Hamburg GmbH für das Jahr 2011, die am 12.9.2012 im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde, kann man nachlesen, dass die Produktionsfirmen der Studio Hamburg GmbH im Jahr 2011 zusammen einen Gewinn von fast 19 Millionen EUR erwirtschaftet haben.
Leider konnte dieser Gewinn nicht dem beherrschenden Sender NDR ausgeschüttet werden, weil wiederum die Technik Firmen der Studio Hamburg GmbH knapp 13 Millionen EUR Verlust erwirtschaftet haben,
Aus der Presse konnten wir erfahren, dass im Jahr 2012 der Verlust der Studio Hamburg Gruppe gar in einen 2 stelligen Millionen Bereich gerutscht ist. Leider konnten wir trotz intensiver Suche die Bilanz für das Wirtschaftsjahr 2012 nirgends finden, was uns tatsächlich ein wenig wundert, da es ja kaum Gründe geben kann, warum ausgerechnet für das Jahr 2012 noch keine Bilanz veröffentlicht wurde.
Darf ich Sie noch an einen Satz erinnern, den Sie selbst mal von sich gegeben haben?
“Mich hat Herr Prof. Schellhaaß ein klein wenig mit einem Grußwort provoziert, als er sagte, die Rundfunkanstalten müssten sich jetzt mal langsam beschäftigen mit Stichworten wie angemessener Finanzierung ihrer Tochtergesellschaften, Eigenwirtschaftlichkeit, struktureller Separierung etc. Da scheint mir manchmal noch ein Bild vorzuherrschen, das werfe ich niemandem vor, ich will es nur klarstellen, das der Realität in den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten schon lange nicht mehr entspricht. Ich denke nur einmal an meine Hamburger Zeit beim NDR, da gibt es das große Studio Hamburg, an dem der NDR mit 100% Gesellschafter ist. Selbstverständlich haben wir dort schon damals all dies beachtet, ohne EU, auch ohne die Rechnungshöfe, die da nicht reingeguckt haben. Das ist doch in unserem ureigenen Interesse. Warum haben wir denn Tochtergesellschaften? Die haben doch den Zweck strategische Optionen offen zu halten, nicht abhängig vom Markt zu werden,…..
Das zweite ist, die Tochtergesellschaften müssen wirtschaftlich sein. Es macht doch überhaupt keinen Sinn, wenn wir das nicht beachten würden. Das wäre ja gegen die eigenen Interessen. Auch Quersubventionierung wäre für uns schon ein Schaden, eine Verzerrung von Ergebnissen….”

So richtig ist mir leider nicht klar geworden, was Sie damit meinen, es hat fast den Eindruck, Sie hätten es einfach so dahin gesagt und nicht daran gedacht, was man so in den Bilanzen der Studio Hamburg GmbH finden kann.

Ich wünsche Ihnen gute Argumente für den kommenden Dienstag.

Ihr Franz Jammer