der gute Herr Marmor

sollte vielleicht doch dem Verwaltungsrat des NDR reinen Wein einschenken. 37 Millionen EUR müssen bis 2016 gespart werden, das ist ne Menge Geld. Also beschwert Herr Marmor sich mit den Worten: „Es ist schon eine paradoxe Situation: Das neue Beitragsmodell funktioniert glücklicherweise und bringt mehr Beitragsgerechtigkeit und mehr Erträge“, sagte Marmor. „Davon haben die Sender aber zunächst nichts, sie dürfen die Mehrerträge nicht ausgeben. Anders als oft behauptet wird, bleibt das Geld also knapp. Aus diesem Grund müssen wir – wie schon in den vergangenen Jahren – weiter sparen und werden das so programmschonend wie möglich tun.“
Auf die Jahre 2011 und 2012 zurückgeblickt wären 30 Millionen Ersparnis schonmal drin gewesen, ohne die technischen Betriebe der Studio Hamburg Gruppe. Oder eben ein funktionierendes Quersubventionierungsverbot.

Zockerparadies Öffentlich Rechtlicher Rundfunk

„ARD und ZDF haben die Pay-TV-Rechte für die anstehende Fussball-WM gekauft. Sie spekulierten darauf, die Rechte gewinnbringend an den Bezahlsender Sky weiterzuverkaufen. Doch Sky zeigt aufgrund mangelder Exklusivität kein Interesse und die Öffentlich-Rechtlichen bleiben auf den teuren Übertragunsrechten sitzen.“ schreiben das Portal Deutsche Wirtschafts Nachrichten.
Passt ja prima in das System. Einfach mal was kaufen, ohne zu wissen ob man das auch wieder verkaufen kann. Von 150 Millionen EUR spricht der Autor. Das Geld hätte man auch prima beiseite legen können, quasi als Rücklage für die kommenden Verluste der Studio Hamburg Gruppe und der Bavaria Film, samt ihrer Töchter.

Marktkonform

aha – jetzt glaube ich zu verstehen. dauert manchmal etwas länger bei mir, aber darüber mag ich mich jetzt nicht auslassen.
konform
Gefunden habe ich das im RBB Beteiligungsbericht, der nach wie vor der einzige öffentlich verfügbare ist.
Man prüft ob die Tochtergesellschaften ihren Müttern die Leistungen marktkonform erbringen. Liebe Prüfer, soll das ein Witz sein? Natürlich tun sie das, weil hier können sie ja noch richtige Preise aufrufen – wollen Sie nicht mal andersrum prüfen? Ob denn die nach außen, sprich in den unabhängigen Markt erbrachten Leistungen ebenso abgerechnet werden?

Quo vadis Studio Hamburg ?

wir wussten es natürlich, das Geschäftsjahr 2012 war kein berauschendes für die arg gebeutelten Hamburger. Doch die Zahlen sind erschreckender als man erwarten oder befürchten konnte. Unter der Annahme, dass man sich größte Mühe gibt den Schaden immer gering zu halten ist die Bilanz vermutlich auch in einigen Punkten schöner gefärbt als die Wirklichkeit.
Die Gruppe hat das Jahr 2012 mit einem Minus von 13 Millionen EUR abgeschlossen. Alleine die Produktionstöchter sind in der Lage Geld zu verdienen, bei einem Umsatz von ca 175 Millionen EUR immerhin knapp 7 Mio EUR, 4% Umsatzrendite ist in diesen Zeiten gar nicht mal so schlecht. Gut versorgt mit Aufträgen der Öffentlich Rechtlichen lässt sich Geld verdienen, die freie Produzenten werden neidisch zuschauen.
Der Geschäftsbereich Atelier & Technik steuert mit einem Minus von 14,7 Mio EUR einen erschreckenden Kurs. Verlust verdoppelt im Vergleich zum Vorjahr, hinzukommt eine Holding Struktur, die nochmal knapp 4 Mio unter Wasser ist. Verstehe es wer will, wozu in aller Welt braucht man eine Holding, die mit ihren Dienstleistungen nur Geld verbrennt? Aufklärung liefert der WIrtschaftsbericht:
Die Studio Hamburg GmbH führt als Holding die Tochter – und Beteiligungsunternehmen der STHH Gruppe. Dies umfasst neben der Geschäftsführung, strategischen Steuerung und Gremienbetreuung Funktionen wie Beteiligungscontrolling, Revision, Finanzierung, Rechnungslegung, Öffentlichkeitsarbeit, Personalentwicklung und Gesellschaftsrecht. Desweiteren erfolgen zentrale Dienstleistungsfunktionen für Tochtergesellschaften in den Bereichen Personalwesen, Buchhaltung, Zahlungsabwicklung und Cash Pooling, sowie Justitiariat. Weiterhin werden die Gebäude Infrastruktur der Hamburger und Berliner Studiogelände, sowie die gruppenweite IT Systeme betreut.
Sehr genau sollten die Damen und Herren der KEF und anderen Aufsichtsorgane weiterlesen:
Das Betriebsergebnis (der Holding GmbH) betrug -4.075 EUR. Das negative Betriebsergebnis erklärt sich im wesentlichen aus typischen Funktionen der Holding betreffend der Führung der Firmengruppe. Diese Aufwendungen werden nicht an die Tochtergesellschaften weiterbelastet (im Gegensatz zu den zentralen Funktionen wie Personal, Buchhaltung und Justitiariat). Im Grunde genommen ist es ein 4 MIO EUR teurer Wasserkopf.
Und für alle, die das Thema Quersubventionierung immer noch von sich weisen, oder nicht verstehen:
Zitat: Das deutlich negativ ausgefallene Ergebnis des Geschäftsbereichs Atelier & Technik konnte nicht durch das positiv ausgefallene Ergebnis des Geschäftsbereichs Produktion & Distribution kompensiert werden.

Klar sind es mal wieder außerplanmäßige Abschreibungen und Wertberichtigungen die das Jahresergebnis besonders belasten, aber zu jeder Abschreibung und Wertberichtigung gibt es einen Vorgang. Zu hoch bewertete Immobilien (2.5 Mio EUR), Wertberichtigungen auf Beteiligungsansätze ( Insolvenz der Berlin 1 Fernsehen, oder Abschreibung auf die fast insolvente Media Mobil?) und natürlich außerplanmäßige Wertberichtigungen bei unfertigen Erzeugnissen des Projektgeschäfts (schief gelaufener MCI Auftrag beim ZDF).
Aber auch die Produktion & Distribution hatte noch einiges abzuschreiben – 1.2 Mio auf Beteiligungsansätze (welche Firma war wohl hier zu hoch bewertet) und im Nebensatz noch 600.000 EUR Abschreibung auf Finanzanlagen, was vermutlich irgendwelche unsinnigen Zins, Bank, Swap oder Derivate Geschäfte waren.

Ich habe mich noch nicht weiter reingetraut in das Zahlenwerk, das wird noch ein paar Tage dauern – aber eigentlich reicht es mir jetzt schon zu sehen, wieviel Millionen da wieder versenkt wurden. Warum die Produzentenverbände hier nicht Sturm laufen, und den Zusammenhang zwischen ihrer derzeitigen Situation und der weiter steigenden Auftragsvergabe an ÖR gebundene Unternehmen nicht erkennen wollen, kann ich ehrlich gesagt nicht wirklich verstehen.

wochenende

das passt mir gar nicht in den Plan – hatte mir das Wochenende eigentlich freigehalten für Besuche bei Freunden. Jetzt platzt da doch noch am Freitag die Bilanz von Studio Hamburg rein und sie ist desaströs. Was ich aber völlig unpassend finde, dass sich die Autoren nicht die Mühe gemacht haben, wie im Vorjahr die Einzelergebnisse der ganzen Beteiligungsstruktur aufzulisten, das darf ich nun selbst machen.