Konkurrenz im eigenen Haus

Die Bavaria Studios versuchen es erneut. Nachdem sie im vergangenen Jahr einen 40% Anteil an der Ü Wagen HD Signs GmbH erworben haben, haben sie sich nun einen eigenen Ü Wagen gebaut. Man muss das nicht verstehen.
Erfahrung wie man mit Unternehmen umgeht, an denen man eine Beteiligung hält hat die Bavaria schon mit der Cine Postproduktion gesammelt. Vor ein paar Jahren noch hat die Bavaria Zug um Zug ihre Beteiligung an der Cine Media durch Aktienkäufe erhöht, um sie dann irgendwann mit eigener Technik durch einen gnadenlosen und ruinösen Konkurrenzkampf in die Insolvenz zu treiben. Jetzt macht 1 Ü Wagen sicherlich noch keine Probleme, bei dem vorhandenen ÜberAngebot könnte das langfristig aber ein Thema werden.

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Jammer Zahlen

ich muss zugeben, das ist nicht alles so leicht zu verstehen – mit dem Bilanzmodernisierungsgesetz wurden bilanziell ganz neue Möglichkeiten geschaffen, die dazu führen, dass jeder Unternehmer eine Handelsbilanz und eine Steuerbilanz erstellen muss. Bestimmte Dinge sind steuerrechtlich nicht erlaubt, handelsrechtlich schon. Dies vorausgeschickt habe ich die Handelsbilanzen der Cine Mobil mal genauer unter die Lupe genommen und die Korrekturen vorgenommen, die ich, wäre ich ein ordentlicher Kaufmann, eben auch so getan hätte.
Ich erinnere nochmal an diese beiden wichtigen Sätze in den Bemerkungen der o.g. Bilanzen:
2013 : Das Sachanlagevermögen wird mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet. Im Rahmen von im Berichtsjahr durchgeführten Asset Deal Transaktionen wurde eine Vielzahl Vermögenswerte erworben.
Da der beizulegende Zeitwert über den Anschaffungskosten liegt, wurde der Wertansatz der einzelnen Vermögenswerte durch Abschläge auf den beizulegenden Zeitwert ermittelt. Der aktivierte Betrag
lautet auf TEUR 3.053
.
2014 : Im Rahmen der im Berichtsjahr durchgeführten Asset Deal-Transaktion wurde eine Vielzahl von Vermögenswerten erworben. Da der beizulegende Zeitwert über den Anschaffungskosten liegt, wurde der
Wertansatz der einzelnen Vermögenswerte durch einen Abschlag auf den beizulegenden Zeitwert ermittelt. Der aktivierte Betrag beziffert sich auf TEUR 1.537.

Wie blöd müssen die Verkäufer gewesen sein, das Zeugs für nen Appel und nen Ei zu verticken, die Herren von Berliner Union Film, von Panther Rental und von Studio Hamburg. Aber darum soll es hier gar nicht gehen, sondern vielmehr um die Auswirkungen dieser 2 zitierten Sätze. Ich habe mir die Freiheit genommen, die beiden Bilanzen so zu korrigieren, als hätte man diesen Zuschreibungsbilanztrick eben nicht gemacht – eben aus Niedrigstwertprinzipien.

2013:

cm2013aktiva
cm2013passiva

Für 2013 bedeutet das, der ausgewiesene Gewinn in Höhe von ca 600.000 EUR verwandelt sich in einen Verlust von 1,4 Mio EUR.
Dabei habe ich unterstellt, dass das neu bewertete Anlagevermögen auf 3 Jahre abgeschrieben wird. Andere, die ich kenne schreiben gebrauchte Geräte eher in 2 Jahren ab.

Ganz fleißige könnten sich jetzt noch die Bilanz der Bavaria Studios GmbH vornehmen und mal schauen, was denn dann mit der Bavaria Studios passieren würde. Richtig – aufgrund eines Gewinnabführungsvertrags ist die Bavaria Studios verpflichtet den Verlust zu übernehmen, was sie natürlich faktisch auch tut, nur würde es ihr Ergebnis verhageln und die schönen Assets, nämlich die Ausleihungen an verbundene Unternehmen würden nicht mehr auf der Aktiv Seite stehen, denn das Geld sehen sie eh nie wieder.

und so sähe das ganze 2014 aus:

CM2014aktiva

cm2014passiva

Aus dem Gewinn in Höhe von 367.000 EUR würde dann 2014 ein Verlust von knapp 630.000 EUR werden. Echte Dissonanz in Moll.
zur besseren Lesbarkeit hier das ganze noch als PDF:

Jammer Bilanz in Moll

Was ich dabei tatsächlich nicht verstehe ist die Aufsicht, der Aufsichtsrat, die Wirtschaftsprüfer – die nicken das alles einfach brav ab.

brummender Schädel

der Volkshochschulkurs Bilanzierung ist beendet. Ich bin ja nicht so der Zahlenmensch. Jetzt brummt mein Schädel und nachdem ich mich bei einem Steuerberater vergewissert habe, wie das buchungstechnisch läuft auch ziemlich viel schlauer. Ich werde in den kommenden Tagen die Bilanzen mal überarbeiten, quasi die unbereinigte Version erstellen.

Schlussstrich

Der MDR zieht einen Schlussstrich, unter den Kika Skandal – oha. Von einem Gesamtschaden in Höhe von 9,96 Mio EUR konnte man sich über Schadensersatzansprüche 2,3 Mio EUR zurückholen, bleiben noch 7,6 Mio EUR übrig als Schaden – so berichtet das Medienmagazin DWDL.de.
Der MDR sollte noch viel mehr Schlussstriche ziehen – unter sein Engagement bei der MCA (Schaden 0,5 Mio EUR Verlust im Jahr 2013), unter sein Engagement bei der Media Mobil (Schaden 0,7 Mio EUR Verlust im Jahr 2013), weil der Gesamtbetrag des vernichteten Eigenkapitals in diesen beiden Unternehmen inzwischen die stolze Höhe von 3,4 MIO EUR erreicht hat.
Denn das Problem ist, dass hier niemand zur Rechenschaft gezogen werden kann, von Schadensersatzpflicht ganz zu schweigen.
Leidtragende des Dilemmas Kika Skandal und öffentlich rechtliche Unternehmen sind im Fall des MDR eine ganze Reihe von kleinen Produktionsfirmen und Dienstleistern in Sachsen und Thüringen.

schön gerechnet

wie man aus einem Minus ein Plus rechnet kann man in den Bilanzen der Töchter von ARD und ZDF nachlesen. Heute nehmen wir uns mal die Bilanz der Cine-Mobil zur Brust.
Zuerst aber möchte ich den Blick auf eine Ebene höher werfen, denn dort beginnt das eigentliche Dilemma. Die Bavaria Studios mit ihren Gesellschaftern Bavaria Film, ZDF und Landesbank Bayern. Im Berichtsjahr 2013/2014 auch nur mit Mühe und Schönfärberei dem Minus entronnen z.B. durch die Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 1.3 Mio EUR, die auf der Einnahmeseite stehen. Ebenfalls auf der Einnahmeseite steht der von der Cine-Mobil abgeführte Gewinn in Höhe von EUR 367.000 EUR, der wie ich unten beschreibe ebenfalls ein wohlwollend gerechneter ist. Bei einem ausgewiesenen Bilanzgewinn der Bavaria Studios von 466.000 EUR bedeutet dies im Endeffekt eigentlich ein Minus im Geschäftsjahr 2013/2014 von 1.2 MIO EUR.

Wie kommt nun die Cine Mobil zu einem Gewinn von 367.000 EUR (650.000 im Vorjahr)?
Gewin CM.

Dazu schreibt die Geschäftsführung im Jahresabschlussbericht sinngemäß „Als wir endlich kapiert haben, was alte Scheinwerfer, übernommene Leasingverpflichtungen, und der ganze andere Kram wert sind, die wir bei der Berliner Union Film, Panther Rental und Studio Hamburg Filmtechnik eingekauft haben, haben wir uns gefreut wie ein Schnitzel“ – „und damit uns die Bilanz nicht von den Gesellschaftern um die Ohren gehauen wird, haben wir das ganze Material einfach höher bewertet, als es in Wirklichkeit wert ist. Nix Niedrigstwertprinzip und so nen Scheiss, jetzt hauen wir mal ordentlich auf den Putz“ – “ Denn wenn uns die Gesellschafter dann noch einen Teil unserer Verbindlichkeiten in die Kapitalrücklage einzahlen, dann sind wir erstmal alle Sorgen los. Und da kein Banker auf die Bilanz schaut (weil unsere Bank ist ARD und ZDF), können wir hier mal alle kaufmännischen Sorgfaltspflichten liegen lassen“.

So irgendwie muss es gelaufen sein, bei der Analyse eines weiteren wirtschaftlichen Katastropenjahres.

Erträge CM

Das heisst dann – Cine-Mobil erhöht sich den Gewinn um satte 750.000 EUR, sowohl im Jahr 2013/2014, wie auch schon im Jahr 2012/2013. Ohne diese Bilanz Kosmetik stünde ein Verlust von – 391.000 im Jahr 2013/2014 und ein Verlust von knapp 100.000 im Jahr 2012/2013 zu Buche.

Diese Form der Neubewertung des Anlagevermögens hat aber noch einen ganz anderen Effekt, nämlich die Verbesserung von der Bilanzkennzahlen. Das wiederum ist ein kompliziertes Gebilde. Ich habe mich bei der Volkshochschule zum Buchhaltungslehrgang angemeldet, um dieses Thema besser verstehen und erklären zu können. Ich bitte um ein paar Tage Geduld.